Zuhause bleiben?
Zu Corona Zeiten sollen wir zuhause bleiben. Nicht, weil es da so schön ist, sondern um uns und andere vor Ansteckung zu schützen. Doch wo sind wir zuhause?
Ist es in den Mietwohnungen in München, die wir uns kaum leisten können und die meist zu klein für unsere Bedürfnisse sind? Oder haben wir den Luxus eines Hauses im Grünen mit Garten und Bergblick, ist das dann unser Zuhause? Viele Menschen fühlen sich jedenfalls in ihren „vier Wänden“ nicht zuhause. Was würde denn ein echtes Zuhause ausmachen? Geborgenheit? Angenommensein? Wertschätzung? Ruhe? Wo man sein kann, ohne nach außen eine Rolle spielen zu müssen (geht das überhaupt in einer Familie?). Wo man auftanken kann, Kräfte sammeln für den Alltag „draußen“?
Manche treibt es mmer wieder hinaus auf der Suche nach einem Zuhause. Meister Eckart meint, ein wahres Zuhause finde ich nicht, wo ich es suche. Weder in der Kindheit, in die ich nicht zurück kann, noch in einem noch so schön aufgeräumten Haus, noch in dem unerfüllbaren Wunsch nach einem anderen Zuhause. Dennoch ist die Sehnsucht nach einem echten Zuhause vielen eingepflanzt.
Das Markusevangelium endet (in der ursprünglichen Fassung) mit der Botschaft der Engel zu den drei Frauen, die am Ostermorgen kamen, um den Leichnam von Jesus zu salben, und das Grab leer fanden. Sie fanden nicht Jesus, sondern einen Engel, der Ihnen sagte: „Geht aber hin und sagt seinen Jüngern, das er vor euch hingehen wird nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen, wie er euch gesagt hat.“
Ende. Keine Erscheinung eines Auferstandenen. Was bleibt? Es bleibt den Frauen und den Jüngern und jedem von uns, das Buch, das Markusevangelium, noch einmal von vorn zu lesen, nun mit dem Glauben: Er ist auferstanden, und mit der Hoffnung: Wir finden ihn in Galiläa.
Wenn wir das Buch vorne aufschlagen, dann sind wir in Galiläa. Wir sind bei der Taufe von Jesus, als eine Stimme ihn als „Meinen geliebten Sohn“ bekannt macht, wir sind bei seiner ersten Predigt: „Die Zeit ist erfüllt und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Kehrt um und glaubt an das Evangelium.“ Wir sind bei dem Ruf an die Menschen: „Folgt mir nach.“
Das ist das Zuhause, zu dem uns Ostern schickt. Nach Galiläa, das heißt dorthin, wo wir Jesus treffen, wo wir uns von ihm rufen und berufen lassen. „Folgt mir nach!“ „Kehrt um und glaubt an das Evangelium.“
Wir beginnen zu verstehen: Zuhause ist nicht ein Ort, kein Haus mit vier Wänden. Zuhause bin ich, wenn ich bei meinem Grund und bei meinem Ziel angekommen bin. Meister Eckart sagt: „Wer Gott in Wahrheit hat, der hat ihn an allen Stätten (Orten).“

Ich finde wieder einen Platz, wo ich ungestört und ohne Ablenkungen sitzen kann. Vielleicht möchte ich ein Vaterunser sprechen.
Ich schließe für eine Zeit die Augen. Ich lasse meine Gedanken und Bilder vorbeiziehen. Ich halte mich an keinem Bild, keinem Gedanken fest. Dazu hilft mir der Atem. Immer wieder lenke ich meine Aufmerksamkeit auf meinen Atem. Beim Ausatmen werde ich leer und empfangsbereit. Beim Einatmen nehme ich das Leben in mich auf.
Wenn ich möchte, kann ich wieder meinen Atem mit diesem Wort verbinden.
Beim Ausatmen sage ich innerlich: *Zuhause*
Beim Einatmen sage ich innerlich: *bei Dir*
Das probieren wir so lange wir wollen.
Wir können schließen mit einem Gebet:
Barmherziger Gott, wenn ich mich bei mir nicht zuhause fühle, hilf mir, mein Zuhause zu finden.
Lass mich von dem auferstandenen Christus nach Hause bringen zu Dir.
Schenke mir und allen Menschen, dass Sie ein Zuhause finden.
Hilf denen, die ohne Haus und Schutz unterwegs sind, den Geflüchteten, Vertriebenen, Armen. Gib Ihnen eine Zuflucht, zu essen, Schutz und Heilung.
Amen