Vorgestern haben wir die Aufforderung des Engels am leeren Grab gehört: „Geht hin nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen.“ Dort habe ich gesagt, in Galiläa treffen wir den Auferstandenen und kommen in unser wahres Zuhause. Der Schluss des Matthäusevangeliums (28, 17-20) berichtet davon, was die Jünger in Galiläa von dem Auferstandenen hörten: „Und als sie ihn sahen, fielen sie vor ihm nieder; einige aber zweifelten. Und Jesus trat herzu, redete mit ihnen und sprach: Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden. Darum gehet hin und lehret alle Völker: Taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehret sie halten alles, was ich euch befohlen habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende.“
Ich kann mich von der Auferstehung distanzieren (einige aber zweifelten), da bin ich in guter Gesellschaft und dafür gibt es genug gute Gründe, denn sie ist eine Zumutung für den Verstand und für mein Leben. Wenn ich mich aber darauf einlasse, dann wird sie mich verändern. Wenn Jesus Christus alle Gewalt im Himmel und auf Erden hat, dann lebe ich aus dieser Macht. Sein Auftrag an mich ist es, zu lehren, was er uns gelehrt hat. Das meint die Bergpredigt, die Gleichnisse, alles was die Evangelien von ihm berichten. Wenn ich das tue, dann lebt er in mir und ich in ihm.
Ich kann nur lehren, was er gelehrt hat, wenn es keine Lehre bleibt, sondern Leben wird. Sein Leben der Auferstehung in mir macht mich zu seinem Nachfolger, zu seiner Nachfolgerin. Seine Lehre, die in seinem Leben Gestalt wurde, die soll nun auch in mir Gestalt werden. Er wird zu meinem Modell, mehr als ein Vorbild, denn nur durch seine Gegenwart in mir kann ich so lehren wie er und leben wie er.
Wir müssen ihn also erst empfangen, damit wir aus ihm leben und tätig sein können. Distanziert und zweifelnd stehen bleiben, verhindert das. Wenn wir uns einlassen auf die Begegnung mit dem Auferstandenen, dann wird er uns verwandeln und wir lehren seine Lehre und leben sein Leben.
In der mittelalterlichen Brautmystik wurde die oder der Glaubende (oder auch die Kirche) oft als Braut von Jesus Christus gesehen. In diesem Bild bezeichnet Meister Eckart den Menschen einmal als Jungfrau, wenn er Christus in sich empfängt, und einmal als Frau, die Früchte bringt in ihren Handlungen und ihrem Leben aus der Empfängnis und Gegenwart Christi.
„Dass der Mensch Gott in sich empfängt, das ist gut, und in dieser Empfänglichkeit ist er Jungfrau. Dass aber Gott fruchtbar in ihm werde, das ist besser; denn Fruchtbarwerden der Gabe, das ist Dankbarkeit für die Gabe, und da ist der Geist eine Frau in der wiedergebärenden Dankbarkeit.“

Ich finde wieder einen Platz, wo ich ungestört und ohne Ablenkungen sitzen kann. Vielleicht möchte ich ein Vaterunser sprechen.
Ich schließe für eine Zeit die Augen. Ich lasse meine Gedanken und Bilder vorbeiziehen. Ich halte mich an keinem Bild, keinem Gedanken fest. Dazu hilft mir der Atem. Immer wieder lenke ich meine Aufmerksamkeit auf meinen Atem. Beim Ausatmen werde ich leer und empfangsbereit. Beim Einatmen nehme ich das Leben in mich auf.
Wenn ich möchte, kann ich wieder meinen Atem mit diesem Wort verbinden.
Beim Ausatmen sage ich innerlich: *Wirke durch mich*
Beim Einatmen sage ich innerlich: *Jesus Christ*
Das probieren wir so lange wir wollen.
Wir können schließen mit einem Gebet:
Barmherziger Gott, mache mich bereit, dem auferstandenen Christus zu begegnen und mich von ihm verwandeln zu lassen.
Mach mich bereit, dass ich von innen her, von seiner Gegenwart in mir, handle und meine Handeln Früchte bringt.
Amen