Glücklich sind diejenigen, die in Zeiten der verordneten Nicht-Begegnung einen liebenden Partner, eine Partnerin oder eine Familie um sich haben. Die Suche danach, geliebt zu werden und selber zu lieben, ist eine der stärksten Quellen und Antriebe des Lebens. Nicht nur Menschen kennen sie, sondern die ganze Natur. Doch bei Menschen ist es oft kompliziert; vom Sich-Verlieben bis zur Liebe gibt es unzählige mögliche Fallen, Täuschungen und Verstrickungen. Und von welcher Liebe reden wir eigentlich? Die alten Sprachen unterscheiden zwischen der Liebe des Eros, der Macht des Angezogenwerdens, und der Agape-Liebe, die mehr helfende, beistehende Hingabe für einen oder mehrere andere ist. Wenn die Bibel von der Liebe Gottes zu den Menschen spricht, dann spricht sie von Agape. So im 1. Johannesbrief 4,10: „Darin besteht die Liebe, nicht dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt hat und gesandt seinen Sohn zur Versöhnung für unsre Sünden.“
Gott sucht den Menschen, weil er in sich selber Liebe. Gott sucht den Menschen als Partnerin und Partner. Gott sucht mich und dich, um uns mit seiner Liebe in liebevolle Menschen zu verwandeln. Die Verwandlung geschieht in der Begegnung mit Jesus Christus, der unsere Sünde (das von Gott Trennende) hinweg nimmt und uns mit Gott und miteinander versöhnt.
Ich würde ja so gern erfahren, dass Gott mich liebt. Doch wie kann ich das wissen? Nun, einem Skeptiker, kann niemand die Liebe Gottes beweisen. Wir wissen von ihr, wenn wir sie noch nicht selber erfahren haben, durch die Zeugnisse anderer, zuerst aus der Bibel, in der sich Gott so zeigt, wie er ist. Dann auch von anderen, die diese Liebe erfahren haben. In diesen Meditationen lassen wir uns von dem mittelalterlichen Meister Eckart anregen. Er hat die Liebe Gottes als Anwesenheit Gottes in seiner Seele erfahren. Immer wieder redet er davon, dass diese Anwesenheit auch in meiner und deiner Seele möglich ist. In vielen Gleichnissen und Bildern hat er versucht, das zu beschreiben, zum Beispiel so:
Wenn ich ein Wasserbecken nehme und einen Spiegel hineinlege und es unter die Sonne stelle, dann wirft die Sonne ihren lichten Glanz hinein und wird darum nicht weniger und vergeht nicht. Der Spiegel strahlt zurück und das ist die Sonne in der Sonne und doch bleibt er der Spiegel, der er ist. So ist es auch mit Gott. Gott ist in der Seele mit seinem Sein und seiner Gottheit, und doch ist er nicht die Seele. Sondern das Rückstrahlen der Seele, das ist Gott in Gott und doch bleibt die Seele das, was sie ist.

Ich finde wieder einen Platz, wo ich ungestört und ohne Ablenkungen sitzen kann, vielleicht einen Platz, zu dem die Sonne durch das Fenster hineinstrahlt oder ich die Sonne draußen in ihren Reflexen sehen.
Wenn du möchtest, kannst du vor der Meditation wieder einen Blick in einen Spiegel werfen und deinem Spiegelbild freundlich sagen: Hallo, du Ebenbild Gottes, freut mich, dich zu sehen!
Dann setze ich mich hin und schließe die Augen ganz oder halb. Ich lasse meine Gedanken und Bilder kommen und gehen und konzentriere mich auf meinen Atem, Ein und Aus. Immer wieder kann ich zu dem Gedanken zurückkommen: Gott liebt mich so, wie ich bin.
Wenn ich möchte, kann ich auch meinen Atem mit einem Wort verbinden.
Beim Ausatmen sage ich innerlich: *Danke Herr für*
Beim Einatmen sage ich innerlich: *Deine Liebe*

Wir können schließen mit einem Gebet, zum Beispiel:
Barmherziger Gott, ich danke Dir für Deine Liebe.
Ich danke, dass Du mich liebst und zu mir kommen willst. Mache mich dafür offen und bereit. Ich danke, dass du alle Menschen liebst und alle Lebewesen.
Hilf uns, jeden Tag ein wenig mehr Deiner Liebe weiterzugeben und anderen zu zeigen.
Amen
Michael Press