Jeder liebt Geschenke. Warum schenken wir etwas zum Geburtstag? Als Zeichen der Wertschätzung und Freundschaft oder Liebe. Doch Geschenke haben oft Hintergedanken oder Widerhaken, wie ich seit meiner Zeit in den Kulturen des Südpazifiks weiß und wie es Ethnologen seit langem beschrieben haben. Geschenke verpflichten nämlich den Beschenkten, sich gleicherweise erkenntlich zu zeigen. Manchmal sind die Geschenke sogar als Türöffner für etwas ganz Anderes gedacht. So steht es auch schon in der Bibel: „Viele schmeicheln der Person des Fürsten; und alle sind Freunde des, der Geschenke gibt.“ (Sprüche 19,6). Oder Jesaja: „Deine Fürsten sind Diebsgesellen; sie nehmen alle gern Geschenke und trachten nach Gaben; aber dem Waisen schaffen sie nicht Recht.“ Deshalb ist das Geschenk, das Gott uns macht, von anderer Qualität als das des Herrschers, der sich Gunst erkaufen will. „Die Gabe Gottes ist das ewige Leben in Christus Jesus, unserm Herrn.“ (Römer 6,23)
Nach Meister Eckart ist das Geschenk, das Gott uns macht – ich selber. Sein Geschenk ist keine Sache, sondern es ist meine Person, mein Charakter, meine Einmaligkeit. Doch indem ich meine Person und Charakter als sein Geschenk erfahre, erfahre ich es als „das Allerbeste“ und mir „Gemäße“: „Gott gibt einem jeden nach dem, was sein Bestes ist und für ihn paßt. Soll man jemand ein Hemd zuschneiden, so muss man ihn nach seinem Maß machen, denn der dem einen passte, der passte dem anderen gar nicht. So gibt Gott einem jeglichen das Allerbeste nach dem, wie er erkennt, dass es das ihm Gemäße ist. Wer ihm darin ganz vertraut, der empfängt und besitzt im Geringsten ebenso viel wie im Allergrößten.“
Wenn ich mich auf dieses Geschenk Gottes einlasse, dann wird es mich verändern. Gott schenkt mir, dass ich wirklich ich werde.

Ich finde wieder einen Platz, wo ich ungestört und ohne Ablenkungen sitzen kann. Vielleicht möchte ich ein Vaterunser sprechen.
Ich setze mich hin und schließe die Augen ganz oder halb. Ich lasse meine Gedanken und Bilder kommen und gehen und konzentriere mich auf meinen Atem, Ein und Aus.
Ich versuche, die Gedanken und Bilder einfach vorbeiziehen und gehen zu lassen. Ich weiß, diese Gedanken und Bilder bin ich nicht. Ich kann sie gehen lassen.
Wenn ich möchte, kann ich auch meinen Atem mit einem Wort verbinden.
Beim Ausatmen sage ich innerlich: *Du*
Beim Einatmen sage ich innerlich: *beschenkst mich*
Am Ende kann ich mich verbeugen, dann aufstehen und mit neuem Mut in den Tag gehen, weil Gott mich reich beschenkt hat.
Michael Press