Gestern habe ich gesagt, dass ich meine Person von Gott als Geschenk erhalte. Wenn ich mich so sehe, dann gehe ich liebevoller mit mir um. Ich gehöre dann auch gar nicht ganz mir selber, sondern ich bin mir gegeben mit einer Bestimmung und Verantwortung, das Beste aus mir zu machen. Allerdings ohne Perfektionsstress, denn ein Geschenk kann ich zunächst einfach nur annehmen, ich kann es nicht machen. Mit der Gabe kommt allerdings die Aufgabe, zuerst einmal, das Geschenk anzunehmen und dann es sorgsam zu behandeln.
Ein solches kostbares Geschenk hat auch seine Kehrseite. Wenn ich es nicht annehme, kann ich den Schenkenden verärgern. Die Bibel ist voll von Stellen, die vor einem verfehlten Leben warnen. Ein verfehltes Leben ist nach der Bibel ein Leben, das sich weigert, die Verantwortung für sich anzunehmen und sein Leben entsprechend zu gestalten. In der Verantwortung liegt das Wort „Antwort“. Ein verfehltes Leben, das Gott nach der Bibel in menschlicher Weise „traurig“ und „zornig“ macht, ist ein Leben, das die Antwort verweigert, die Gott, der dieses Leben ganz persönlich mir geschenkt hat erwartet. Er hat etwas in dieses Leben hineingelegt, das sich entfalten und entwickeln soll, damit es dann im Rückblick als ein gutes Leben gelten kann. Wenn sich dieses etwas nicht entfaltet und entwickelt, verurteilt das Bibel von dem Ziel dieses Lebens aus, z.B: Jesaja 1,19.20: „Wollt ihr mir gehorchen, so sollt ihr des Landes Gut genießen. Weigert ihr euch aber und seid ungehorsam, so sollt ihr vom Schwert gefressen werden.“ Oder Johannes *3,36: „*Wer an den Sohn glaubt, hat das ewige Leben; wer aber dem Sohn nicht gehorcht, wird das Leben nicht sehen, sondern Gottes Zorn bleibt auf ihm.“ Das ist also kein willkürliches, angstmachendes Verhalten Gottes, sondern die Konsequenz eines Lebens, das sich seinem Auftrag und seiner Bestimmung widersetzt.
Meister Eckart sagt dazu: Der Same Gottes ist in uns. Hätte dieser einen guten, weisen und fleißigen Gärtner, so würde er um so besser gedeihen und wüchse auf zu Gott, dessen Same er ist, und die Frucht würde gleich der Natur Gottes. Ist’s aber so, dass der gute Same einen törichten und bösen Gärtner hat, so wächst Unkraut und bedeckt und verdrängt den guten Samen, so dass er nicht ans Licht kommt und auswachsen kann.“

Ich finde wieder einen Platz, wo ich ungestört und ohne Ablenkungen sitzen kann. Vielleicht möchte ich ein Vaterunser sprechen und betone besonders: Dein Reich komme, dein Wille geschehe.
Ich setze mich hin und schließe die Augen ganz oder halb. Ich lasse meine Gedanken und Bilder kommen und gehen und konzentriere mich auf meinen Atem, Ein und Aus.
Ich versuche, die Gedanken und Bilder einfach vorbeiziehen und gehen zu lassen. Ich weiß, diese Gedanken und Bilder bin ich nicht. Ich kann sie gehen lassen.
Wenn ich möchte, kann ich auch meinen Atem mit einem Wort verbinden.
Beim Ausatmen sage ich innerlich: *Mache mich*
Beim Einatmen sage ich innerlich: *zum guten Gärtner*
Am Ende kann ich mich verbeugen, dann aufstehen und mit neuem Mut in den Tag gehen, weil Gott mich liebt.
Michael Press