Gestern haben wir versucht, uns der „Gottesgeburt“ in der Seele mit dem Bild und der Vorstellung von einer Geburt anzunähern. Das ist legitim, denn wir können über Gott und sein Wirken nur mit Metaphern und Bildern sprechen, so wie auch Jesus Gleichnisse und Bilder benutzt hat. Aber wir müssen gleichzeitig wissen, dass dies nur Bilder sind, keine Abbildungen einer genauso existierenden Wirklichkeit. Deshalb gehört die Theologie auch zu den Geisteswissenschaften, die sich mit Sprache und Texten beschäftigen, nicht zu den Naturwissenschaften. Sie erhebt den Anspruch, Wahres zu vermitteln, das sich aber nur in Bildern aussagen lässt. Dieses Paradox, in Bildern von etwas zu reden, das doch eigentlich jenseits aller Bilder und unaussagbar ist, das eben kennzeichnet die Bibel und die Theologie.
Wenn wir weiter gehen wollen im Verständnis der „Gottesgeburt“, dann müssen wir uns die Bilder wieder nehmen lassen und in die Bilderlosigkeit und „Abgeschiedenheit“ von den Sinnen kommen, wie Meister Eckart das nennt (Lukas 2,42): „Deshalb müssen wir eine Frage stellen: ob der Mensch diese Geburt jemals in bestimmten Dingen finden könne, die … von außen durch die Sinne nach innen getragen werden, zum Beispiel bestimmte Vorstellungen von Gott … oder was sonst an Göttlichen von der Vernunft erfasst wird, ob man in alldem jemals diese Geburt finden könne?
Um die Wahrheit zu sagen: nein! Wie gut all dies auch sei, es wird doch alles von außen durch die Sinne nach innen getragen. Es muss aber alles von innen, aus Gott heraus, aufquellen, wenn diese Geburt authentisch und klar dort leuchten soll, und all dein Tun muss stillgelegt werden, und alle deine Kräfte müssen dem Seinen dienen und nicht dem Deinen. Soll dies Werk vollkommen sind, dann muss es Gott allein wirken, und du sollst es nur erleiden. Wo du wahrhaft aus deinem Willen und deinem Wissen herausgehst, da geht Gott mit seinem Wissen und Willen wahrhaft hinein und leuchtet dort voll Klarheit.“
Das bedeutet, wir müssen auch üben, über alle Bilder hinauszugehen, uns leer zu machen, damit Gott zu uns kommen kann.

Ich finde wieder einen Platz, wo ich ungestört und ohne Ablenkungen sitzen kann. Vielleicht möchte ich ein Vaterunser sprechen und betone besonders: Dein Reich komme, dein Wille geschehe.
Ich setze mich hin und schließe die Augen ganz oder halb. Ich setze mich hin und schließe die Augen ganz oder halb. Ich lasse meine Gedanken und Bilder kommen und gehen und konzentriere mich auf meinen Atem, Ein und Aus.
Ich versuche, die Gedanken und Bilder einfach vorbeiziehen und gehen zu lassen. Ich weiß, diese Gedanken und Bilder kann ich gehen lassen, um mich dem bildlosen Ankommen Gottes vorzubereiten.
Wenn ich möchte, kann ich auch meinen Atem mit einem Wort verbinden.
Beim Ausatmen sage ich innerlich: *Christus*
Beim Einatmen sage ich innerlich: *in mir geboren*