Die Gottesgeburt in der Seele, von der Meister Eckart spricht ist der Gipfel der Gotteserfahrung, den wir in der Regel erst nach langem Aufstieg erfahren, der gleichwohl immer ein Geschenk Gottes bleibt. Nicht nur der Berggipfel, die Tiefe der Seele gleich der Brunnentiefe ist ein biblisches Bild für diese Erfahrung, denn aus der Brunnentiefe kommt das lebendige Wasser.
Dazu sagt Meister Eckart: Gottes Sohn ist in der Seele Grund wie ein lebendiger Brunnen. Wenn aber jemand Erde, das ist irdisches Begehren, darauf wirft, so hindert und verdeckt es ihn, so dass man nichts von ihm erkennt oder gewahr wird, gleichviel bleibt er in sich selbst lebendig, und wenn man die Erde, die von oben darauf geworfen ist, wegnimmt, so kommt der Brunnen lebendigen Wassers wieder zum Vorschein.“

Finde wieder einen Ort und Platz, wo du ungestört und ohne Ablenkungen sitzen kann. Wenn du willst, kannst du ein Vaterunser sprechen. Das für heute passende Bibelwort steht bei Johannes 4, 14. „Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm gebe, den wird in Ewigkeit nicht dürsten, sondern das Wasser, das ich ihm geben werde, das wird in ihm eine Quelle des Wassers werden, das in das ewige Leben fließt.“
Ich schließe für eine Zeit die Augen.
Ich stelle mir das Bild vor vom Brunnen lebendigen Wassers, der in mir sprudelt.
Ich lasse meine Gedanken, Bilder, Vorstellungen vorbeiziehen, ohne sie festzuhalten oder mich an ihnen festzuhalten. Immer wieder lenke ich meine Aufmerksamkeit auf meinen Atem. Ein-aus. Ich versuche nicht, die Atmung zu lenken, nehme sie nur wahr. Beim Ausatmen werde ich leer und empfangsbereit. Beim Einatmen nehme ich das Leben in mich auf.
Nun wollen wir wieder unseren Atem mit einem Wort verbinden.
Beim Ausatmen sagen wir innerlich: *Jesus Christus, *
Beim Einatmen sagen wir innerlich: *Komm zu mir. *Oder:* Auferstanden.*
Das probieren wir so lange wir wollen.
Wir können schließen mit einem Gebet: Jesus Christus, schenke mir und allen Menschen die Kraft deiner Auferstehung. Amen.
Vielleicht möchte ich nach der Meditation einige Gedanken festhalten. Wie war es? Was war schwer, was leicht? Was sind Hindernisse, was mag ich daran?
Michael Press