Nach acht Wochen Ausgangs- und Kontaktbeschränkungen drängt es viele Leute heraus. Die Straßen und Plätze füllen sich, Abstandsregeln werden leider manchmal ignoriert. Es sei unsere Freiheit, hinzugehen, wohin wir wollen. Schon werden die Reisemöglichkeiten im Sommer diskutiert, denn es ist auch ein Freiheitsrecht, in den Ferien wohin auch immer es bleibt zu reisen. Das diese Rechte und Möglichkeiten (der Ferienreise) ziemlich neu sind in der menschlichen Geschichte und frühere Generationen dazu gar nicht in der Lage waren, wird dabei vergessen. Andere Länder wie Italien, Spanien oder Frankreich hatten längere und striktere Ausgangsbeschränkungen.
Noch ist das Virus da und noch verursacht es schlimmste Krankheitsverläufe und Todesfälle. Nicht Leichtsinn, sondern Vorsicht können es eindämmen. Sollte uns das nicht zu denken geben, welche Freiheit wir meinen? Besteht Freiheit darin, zu tun, was man möchte? Dann bin ich der einzige Maßstab meiner Freiheit. Jede Freiheitsausübung ist aber schon durch die des anderen Menschen beschränkt. Mit Hegel und dem Christentum sollte man Freiheit vielmehr als loslassen vom Kreisen um die eigenen Wünsche und als Verwirklichung von Freiheit in Gemeinschaft und Wertschätzung der Gemeinschaft und ihrer Ordnungen, der Schöpfung und ihrer Ökologie erkennen.
Auch zum Ausgang in Corona Zeiten bietet Meister Eckart das Kontrastmodell zur Ich-Fixierung und dem Narzißmus (der Selbstliebe): „Nun begehrt Gott nichts mehr von dir, als dass du aus dir selbst ausgehst … und Gott Gott in dir sein lässt. Wo aber dieses Bild (von sich und von Gott) ausgeht, da geht Gott ein. Gott begehrt so sehr danach, dass du aus dir selbst ausgehst, als ob seine ganze Seligkeit daran läge. Nun denn, lieber Mensch, was schadet es dir, wenn du Gott vergönnst, dass Gott Gott in dir sei? Geh völlig aus dir heraus um Gottes willen, so geht Gott völlig aus sich selbst heraus um deinetwillen.“
Ein anderes Ausgehen, fürwahr. Hier geht der Mensch aus sich heraus, das heisst, lässt ab davon, sich in allem zu suchen, alles in Bezug auf sich zu sehen. Kann er dadurch irgendetwas gewinnen, oder wird er alles mit sich verlieren?
Indem Gott in ihn eingeht, gewinnt der Mensch sein wahres Selbst, seine Seele mit Gott. Denn der Mensch lebt entfremdet von sich, dahin gegeben an die vielen Dinge, mit denen er diese Entfremdung wunderschön verdecken und vor sich verheimlichen kann. Deshalb ist es nötig, aus sich herauszugehen, aus seiner Entfremdung, um dadurch heimzukommen in sein wahres Ich, das von Gott geschenkt wird.

Ich finde wieder einen Platz, wo ich ungestört und ohne Ablenkungen sitzen kann. Vielleicht möchte ich ein Vaterunser sprechen. Dabei betone ich besonders die ersten Zeilen: Dein Reich komme, dein Wille geschehe!
Ich setze mich hin und schließe die Augen ganz oder halb.
Ich merke auf meinen Körper: Wie sehr beansprucht mich meine Körperwahrnehmung. Kann ich sie loslassen?
Ich achte auf meine Gefühle: Beanspruchen sie mich, oder kann ich sie loslassen.
Schließlich merke ich auf meine Gedanken. Ich schaue sie an, lasse sie kommen und gehen. Indem ich sie kommen und gehen lasse, lerne ich loszulassen.
Immer wieder kehre ich mit meiner Aufmerksamkeit zu meinem Atem zurück. Ein und Aus.
Wenn ich möchte, kann ich meinen Atem mit einem Wort verbinden.
Beim Ausatmen sage ich mit meiner inneren Stimme: Ausgehen
Beim Einatmen sage ich: Dich einlassen.
Ich bleibe im Sitzen, so lange ich möchte. Dann verabschiede ich mich von der Meditation, kehre gelassen zu meinem Alltag zurück.
M.P.