Es gibt ja nun hunderte Anleitungen, wie man Masken selber näht. Ich habe mir eine bei der Schneiderin meines Vertrauens besorgt. Weniger Anleitungen gibt es, wie man betet. Früher war das Aufgabe der Eltern oder Großeltern, ihren Kindern das beizubringen. Das gibt es kaum noch. Heute ist der Sonntag Rogate, das heißt der Sonntag des Gebetes. Beten ist das Reden mit Gott. Wenn ich an Gott glaube, rede ich mit ihm. Aber viele Menschen, die sich nicht sicher sind, ob es einen Gott gibt, beten auch. Das kürzeste Gebet heißt: Hilfe! Noch kürzer: Ja!
Wie betet man also? Die Bibel ist voll von wunderbaren Gebeten, den Psalmen. Es gibt auch Gebetsanleitungen von Jesus und das Vaterunser als eine Art Zusammenfassung aller Gebet. Nur wegen das Vaterunsers, das uns Jesus gegeben hat, reden wir Gott als unseren himmlischen Vater an.
Also wie sollen wir beten? Beten ist ein Dialog zwischen zwei Personen, wobei die beiden, Gott und Mensch sehr unterschiedlich sind. Gott will diesen Dialog, deshalb fordert er uns auf zu beten und ihm zu antworten. Woher weiß ich das? Aus der Bibel und von anderen Betenden.
Was soll ich beten? Im Prinzip alles, was ich vor Gott bringen will, Bitten, Dank, Klagen, Loben. Beten ist kein Selbstgespräch, also darf ich Gott auch um etwas bitten, oder mich für etwas oder für jemanden oder für mein Leben bedanken.
Weil Gott nicht manipuliert werden kann und alle Tricks bei ihm sinnlos sind, soll ich das Gebet nicht als Mittel zum Zweck eigener Ziele missbrauchen. So wenn die Anhänger zweier Fußballvereine jeweils vor dem Derby für den Sieg ihres Teams zu Gott beten. Gott ist keine Wunscherfüllungsmaschine.
Im Vaterunser heißt es zu Beginn: Dein Reich komme, dein Wille geschehe. Gott ist der Schöpfer und Erlöser der Welt und deshalb ist es an ihm zu entscheiden, wie sein Reich kommt. Das Großartige ist: Er will mich am Kommen seines Reiches beteiligen. Denn sein Reich kommt schon jetzt.
Wie? Dazu gibt uns wieder Meister Eckart einen Hinweis: Darin darf kein „ich will so oder so“, oder „dies oder das“ gefunden werden, sondern nur vollkommenes Aufgeben des Deinen. Darum soll es im allerbesten Gebet weder heißen: „Gib mir dies oder das“, noch: „Gibt mir dich selbst, oder ewiges Leben“, sondern nur: „Herr gibt mir nichts, als was du willst, und tue, Herr, was und wie du willst in jeder Weise!“ Und: „Vermag ein Mensch seinen Willen durch die Gnade Gottes lauter und ganz mit dem Willen Gottes zu vereinen, so braucht er in seinem Verlangen nur zu Sprechen: Herr weise mir deinen liebsten Willen, und stärke mich, den zu tun! Und Gott tut es so gewiß, wie er lebt.“

Ich finde wieder einen Platz, wo ich ungestört und ohne Ablenkungen sitzen kann.
Ich spreche das Vaterunser oder ein anderes Gebet.
Ich sitze still und lasse die Gedanken und Bilder vorbei ziehen, ohne sie festzuhalten.
Immer wieder kehre ich zu dem Gebet zurück: Dein Reich komme, dein Wille geschehe.
Immer wieder kehre ich mit meiner Aufmerksamkeit zu meinem Atem zurück.
Wenn ich möchte, kann ich beim Ausatmen sagen: Vater
Und beim Einatmen: Ja
Ich bleibe im Sitzen, so lange ich möchte. Dann verabschiede ich mich von der Meditation und kehre gelassener in meinen Alltag zurück.
M.P.