„Am Ende dieser Zeit werden wir uns vieles vergeben müssen.“ Das sagte der Gesundheitsminister Jens Spahn zu Anfang der Corona Zeit. Nun, wir sind besser durch die Corona Zeit gekommen als viele andere Länder, dank des trotz aller Einsparungen immer noch guten Gesundheitssystems und der noch rechtzeitigen und richtigen Reaktion der Regierung. Dennoch werden wir uns vieles vergeben müssen, denn wir haben Einiges an Schuld angehäuft. Manche Maßnahmen der Regierung waren im Nachhinein gesehen zu strikt und unverhältnismäßig. Manche haben (trotz der massiven finanziellen Hilfen) die sowieso schon prekären Situationen von Menschen noch verschlimmert. Manche hat keine Hilfe erreicht, während andere Hilfen von dreisten Corona Betrügern und Profiteuren abgezockt wurden und Millionen so verschwunden sind. Die schnelle Hilfe hat manchmal die genaue Kontrolle außer Acht gelassen, so dass den Betrügern es zu leicht gemacht wurde.
Schuld haben wir auch auf uns geladen, indem wir die Bewohnerinnen von Alten- und Pflegeheimen und mancherorts auch die Sterbenden allein gelassen und Besuche verboten haben. Schuld haben wir auch in den Familien auf uns geladen, wo die Bedürfnisse und die Liebe zueinander bei homeschooling und homeoffice auf harte Proben gestellt wurden. Auch die Exit Strategien helfen nicht allen gleichermaßen; freie Künstler bleiben zum Beispiel noch immer in prekären Situationen und viele Gastwirte und Geschäfte werden nicht überleben.
Es ist also viel Schuld angefallen, die wir uns vergeben müssen. „Wenn wir sagen, dass wir keine Sünde haben, so betrügen wir uns selbst und die Wahrheit ist nicht in uns“, sagt die Bibel (1. Johannes 1,8). Im Gegensatz zu denen, die um sich selbst und ihre eigenen Ziele kreisen und andere beschuldigen und Sündenböcke suchen, erkennt ein Christ zunächst einmal seine eigene Schuld vor Gott und dem Nächsten an. Er kann das, weil er fest darauf vertraut, dass Gott Schuld vergeben kann.
Meister Eckart sagt: Je schwerer man die Sünde angibt (bekennt), um so bereiter ist Gott, die Sünde zu vergeben, zur Seele zu kommen und die Sünde zu vertreiben. …. Je größer und schwerer die Sünden sind, um so unermesslich lieber vergibt sie Gott und um so schneller, weil sie ihm selbst zuwider sind. Und wenn dann die Reue sich zu Gott erhebt, sind alle Sünden schneller verschwunden im Abgrund Gottes, als ich mein Auge zu tun kann.
Die Erfahrung der Befreiung von Schuld und Sünde durch Gott ist eine der tiefsten Erfahrungen, die ich mit Gott machen kann.

Ich finde wieder einen Platz, wo ich ungestört und ohne Ablenkungen sitzen kann.
Ich spreche das Vaterunser oder ein anderes Gebet und verweile mit meinen Gedanken bei der Bitte: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern (denen, die an uns schuldig geworden sind).
Gibt es in meinen Leben eine Erfahrung, wo ich diese Vergebung von eigener Schuld gespürt habe? Wo Gott Schuld in Segen verwandelt hat?
Ich sitze still und lasse die Gedanken und Bilder vorbei ziehen, ohne sie festzuhalten.
Immer wieder kehre ich mit meiner Aufmerksamkeit zu meinem Atem zurück.
Wenn ich möchte, kann ich beim Ausatmen sagen: Vater
Und beim Einatmen: Vergib!
Ich bleibe im Sitzen, so lange ich möchte. Dann verabschiede ich mich von der Meditation und kehre gelassener in meinen Alltag zurück.
M.P.