In den Meditationen zu Ostern habe ich über die Kraft der Verwandlung geschrieben, die aus der Auferstehung kommt. Da die Auferstehung die völlig unvorhersehbare Verwandlung des Gott-Menschen vom Tod in das Leben bedeutet, kommt von ihr auch die Kraft der Verwandlung, die jeden einzelnen ergreift und die jede erfahren kann. Beispiele dafür sind die Verwandlung des zweifelnden und aus Angst verleugnenden Petrus, die Verwandlung der zwei Männer auf dem Weg nach Emmaus von ängstlich Trauernden zu hoffnungsvollen Menschen oder die Pfingstgeschichte. Dort verwandelt der Heilige Geist, das ist die Kraft der Auferweckung aus dem Tod, die Gruppe der verzagten Jünger in glühende Zeugen und Verkünder der Liebe Gottes in Jesus Christus.
Aber auch schon zu Lebzeiten von Jesus hat er Menschen durch seine Kraft verwandelt. Viele Heilungsgeschichten berichten davon. Da war zum Beispiel ein Kranker, der seit vielen Jahren am Teich von Betesda in Jerusalem lag. Dier Teich ist heute noch sichtbar. Damals sprach man dem Wasser, wenn es sich immer mal wieder bewegte, heilende Kraft zu. So lagen oder saßen die Kranken nahe am Teich, um dann hinein zu springen, wenn sich das Wasser bewegte. Dieser eine Kranke hat es jedoch nie rechtzeitig in das Wasser geschafft, immer waren andere schneller drin als er. Jesus fragte ihn: „Willst du gesund werden?“ Darauf antwortet der Kranke nicht einfach mit ja, sondern erzählt umständlich, wie er versucht in den Teich zu kommen, aber immer zu spät ist. Er hat sich anscheinend mit seiner Situation abgefunden. Darauf Jesus: „Steh auf und nimm dein Bett und geh hin!“ Der Kranke ist geheilt und kann wieder gehen. Als der Geheilte später in den Tempel geht, um Gott zu danken, da findet er Jesus wieder und der sagt zu ihm: „Siehe du bist gesund geworden. Sündige nicht mehr, dass dir nicht etwas Schlimmeres widerfahre.“
Diese Geschichte wirft einige Fragen auf zum Zusammenhang von Krankheit und Sünde und vom Heilen und Vergeben der Sünde. Hier ist wichtig, dass sie eine tolle Geschichte der Verwandlung ist, die eigentlich erst von Ostern, von der Kraft der Auferweckung aus dem Tod verständlich wird. Denn auch der Tod gilt ja als letzte Folge der Sünde, das ist der Trennung von Gott. Diese Trennung von Gott und seiner Lebenskraft wird durch den Heiligen Geist und die Verwandlung durch den Geist überwunden.
Meister Eckart sagt: Was immer zu Gott kommt, das wird verwandelt; so geringwertig es auch sei, wenn wir es zu Gott bringen, so … wird es in göttliche Natur versetzt, denn göttliche Natur ist so kräftig, dass was immer darein gegeben wird, entweder vollkommen darein versetzt wird oder gänzlich draußen bleibt. Nun vernehmt mit Staunen: da Gott so geringwertige Dinge in sich verwandeln kann, was glaubt ihr wohl, dass er mit der Seele tut, die er mit dem Bild seiner selbst ausgezeichnet hat?

Ich finde wieder einen Platz, wo ich ungestört und ohne Ablenkungen sitzen kann.
Ich denke an eine Situation in meinem Leben oder bei einem anderen Menschen, den ich kenne, in der eine Krankheit und Heilung eine Verwandlung ausgelöst hat.
Ich kann diese Betrachtung mit einem Gebet abschließen: Gott, ich danke dir für diese Verwandlung, die ich (oder xy) erfahren habe. Bitt schenke mir wieder diese Kraft der Verwandlung, damit meine Verwandlung weitergeht. Amen
Wenn ich möchte, kann ich das auch mit dem Atem verbinden und beim Ausatmen sagen: Vater
Und beim Einatmen: Verwandle mich!
Ich bleibe im Sitzen, so lange ich möchte. Dann verabschiede ich mich von der Meditation und kehre gelassener in meinen Alltag zurück.
M.P.