In einem bekannten alten Choral von Gerrit Tersteegen (1697-1769) wird die Stimmung eines Sommertages zum Bild für das Wirken Gottes. „Wie die zarten Blumen willig sich entfalten und der Sonne stille halten, laß mich so, still und froh, deine Strahlen fassen und dich wirken lassen.“ (Aus dem Lied EG 165 „Gott ist gegenwärtig. Lasset uns anbeten und in Ehrfurcht vor ihn treten.“).
An solch einem Sommertag auf einer Bank oder auf der Wiese sitzen und sich von der Sonne wärmen und bescheinen lassen, die auf das Gesicht scheint. Wahrzunehmen, wie sich die Blumen morgens nach der Sonne drehen und mit ihren Blütenköpfe in die Sonne entfalten. Ist das nicht Schönheit? Schönheit als Kommunikation und Resonanz zwischen Schöpfer und Geschöpf.
So ist auch die Erfahrung, die wir in der Meditation suchen: ein reines ungetrübtes Erfassen Gottes, ein Ausrichten auf ihn, eine direkte Resonanz auf seine Gegenwart.
Meister Eckart beschreibt es so (Vom edlen Menschen): „Das erste, worin die Seligkeit besteht, ist dies, dass die Seele Gott unverhüllt schaut. Darin empfängt sie ihr ganzes Sein und ihr Leben und schöpft alles, was sie ist, aus dem Grunde Gottes und weiß nichts vom Wissen noch von Liebe noch von irgendetwas überhaupt. Sie wird ganz still und ausschließlich im Sein Gottes. Sie weiß dort nichts als das Sein und Gott.“
Das bedeutet: Es geht nicht um ein bewusstes Erkennen Gottes, was durch unser Erkenntnis- und Denkvermögen beeinflusst wäre. Es geht auch nicht um eine Liebe zu Gott, die kommt später. Es geht darum, sich einfach wie die Blumen nach der Sonne auszurichten, die Seele nach Gott auszurichten und für seine Gegenwart offen zu sein.

Ich finde wieder einen Platz, wo ich ungestört und ohne Ablenkungen sitzen kann.
Ich setze mich hin und schließe die Augen ganz oder halb. Ich lasse meine Gedanken und Bilder kommen und gehen und konzentriere mich auf meinen Atem, Ein und Aus.
Ich versuche, die Gedanken und Bilder einfach vorbeiziehen und gehen zu lassen. Ich weiß, diese Gedanken und Bilder bin ich nicht. Ich kann sie gehen lassen. Ich versuche sie nicht festzuhalten, sondern davon freizuwerden.
Wenn ich möchte, kann ich auch meinen Atem mit einem Wort verbinden.
Beim Ausatmen sage ich innerlich: *Gott*
Beim Einatmen sage ich innerlich: *komm zu mir*

Ich bleibe im Sitzen, so lange ich möchte. Dann verabschiede ich mich von der Meditation und kehre gelassener in meinen Alltag zurück.
M.P.