Ob die Verlagerung der Arbeitsstelle in das eigene Heim ein Vorteil oder Nachteil war, darüber sind die Meinungen geteilt. Die einen freuen sich, dass zeitraubende Wege zur Arbeit und Ablenkungen am Arbeitsplatz entfallen, andere vermissen die Gespräche und Kollegialität am Arbeitsplatz und haben Mühe, sich zwischen Kind und Küche einen ruhigen Arbeitsplatz zu organisieren. Für diejenigen, die fast jede Nacht in anderen Hotelzimmern übernachtet haben, weil sie etwa reisende Künstler sind, war es eine Erholung, mehrere Wochen zuhause sein zu können. Viele haben sich an die ständigen Wechsel von Wohn- und Arbeitsstelle, Zuhause und Urlaub gewöhnt, so dass es schwerfällt, diese Abwechslung mit einer Ortsgebundenheit zu ersetzen. Mobilität, der ständige Ortswechsel scheint ein Grundrecht westlicher Freiheit zu sein. Doch, was ist es, das uns ständig von einem Ort zum anderen bewegt? Die Arbeit, die Suche nach Abwechslung, eine Angst davor, ortsfest bei sich zu bleiben? Seit dem Anfang des Christentums gibt es umherziehende und die ortsgebundene Christen. Viele Klosterordnungen geben die stabilitas loci, die Bindung an einen Ort vor, um so die Ablenkungen zu vermindern.
Bin ich in der Suche nach Gottesbegegnung an einen Ort gebunden? Viele kehren immer wieder in dieselben Klöster oder Exerzitienhäuser zurück, wo sie einmal gute Erfahrungen gemacht haben. Doch schon der uralte Psalm 139 sagt: „Ich gehe oder liege, so bist du um mich und siehst alle meine Wege … von allen Seiten umgibst du mich und hältst deine Hand über mir … wohin soll ich gehen vor deinem Geist und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht? … Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, so würde auch dort deine Hand mich führen und deine Rechte mich halten.“
Gott kann uns überall und an allen Orten begegnen. In der Meditation müssen wir darüber hinauskommen, uns an bestimmte Erlebnisse, an bestimmte Orte oder Zeiten zu binden. Meister Eckart sagt: Es ist für einen ungeübten Menschen ein ungewöhnliches Unterfangen, es dahin zu bringen, dass ihn nichts behindere (z.B. die Vorstellung, Gott an einem bestimmten Ort zu begegnen). Es gehört große Übung dazu, dass Gott beständig gegenwärtig sei und stets ganz unverhüllt zu jeder Zeit und in jeder Umgebung leuchte.“

Ich finde wieder einen Platz, wo ich ungestört und ohne Ablenkungen sitzen kann.
Ich setze mich hin und schließe die Augen ganz oder halb. Ich erinnere mich an einen Ort, an dem ich eine besondere Erfahrung der Nähe Gottes gemacht habe. War es in der Natur? Am Meer? Auf einem Berg? In einem Kloster? Ich stelle mir vor, dass ich diese Erfahrung jetzt auch hier machen kann, denn Gott ist überall gegenwärtig.
Ich versuche die frühere Erfahrung nicht festzuhalten.
Wenn ich möchte, kann ich auch meinen Atem mit einem Wort verbinden.
Beim Ausatmen sage ich innerlich: *Gott*
Beim Einatmen sage ich innerlich: *komm hier und jetzt*

Ich bleibe im Sitzen, so lange ich möchte. Dann verabschiede ich mich von der Meditation und kehre gelassener in meinen Alltag zurück.
M.P.