Viele haben darüber nachgedacht, was gute Taten sind und wie ich dazu komme, sie zu tun. Einige klassische Antworten auf diese Fragen deuten auf die Ziele des größten Glücks für möglichst viele (Utilitaristen), auf das eigene Wohlergehen, auf die Tugenden als Mittel zu einem guten Endzweck, auf das Sollen als Vorgabe der menschlichen Vernunft, oder auf Gebote, die von Gott oder einer anderen Autorität (der Vernunft, den Menschenrechten etc.) begründet werden. Die christliche Antwort auf die Frage, was gut ist und wie das Gute geschieht ist anders, denn sie geht nicht von Autoritäten, Gesetzen, der Vernunft oder dem eigenen oder fremden Glück aus. Stattdessen schaut sie auf das, was der Mensch *ist*.
Jesus benutzt dazu ein Bild aus der Natur (Matthäus 7,17): „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen. So bringt jeder gute Baum gute Früchte; aber ein fauler Baum bringt schlechte Früchte. Ein guter Baum kann nicht schlechte Früchte bringen und ein fauler Baum kann nicht gute Früchte bringen.“
Statt auf die Ziele und Zwecke wir die Aufmerksamkeit auf das innere Sein gerichtet, aus dem das Tun entspringt. Der Kirchenvater Augustinus (5. Jahrhundert) hat das in den Satz gefasst: „Liebe und tu, was du willst.“ Denn wer in seinem inneren Sein liebt, weil Gott ihm Liebe geschenkt hat, der wird das Gute und das Richtige tun. Und wer böses und falsches tut, der ist nicht in der Liebe und ist kein guter Baum.
Meister Eckart hat das ebenfalls vielfach so gesagt mit dem Akzent auf dem Loslassen oder „gelassen“ werden im Hinblick auf die Ziele und Zwecke des Tuns.
„Die Leute brauchen nicht soviel nachzudenken, was sie tun sollten, sie sollten vielmehr bedenken, was sie wären.“ Jegliche Ichgebundenheit an irgendein Werk, das dir die Freiheit nimmt, in dieser Gegenwart Gott zu Gebote zu stehen und ihm allein zu folgen in dem Lichte, mit dem er dich anweisen würde zum Tun und Lassen, frei und neu in jedem Augenblick, als ob du anders nichts hättest noch wolltest noch könntest; jegliche Ichgebundenheit oder jeder Vorsatz …. benimmt dir diese Freiheit. … (Denn dann) hast du weder zu Gott noch zu dir selbst Vertrauen, es sei denn du hast dein Werk vollbracht.

Ich finde wieder einen Platz, wo ich ungestört und ohne Ablenkungen sitzen kann.
Ich setze mich hin und schließe die Augen ganz oder halb. Ich erinnere mich an etwas Gutes, das ich getan habe. Warum habe ich es getan? Damit es mir gut geht, damit es einem anderen gut geht, damit ich dafür belohnt oder anerkannt werde?
Nun stelle ich mir einen großen Baum vor. Seine Wurzeln, sein Stamm, seine Äste und Blätter. Jedes Frühjahr bringt er wieder durch Kraft der Wurzeln Blätter, Samen, Blüten oder Früchte hervor, weil das seine Natur ist.
So möchte ich handeln: nicht aus Eigenliebe, nicht wegen Anerkennung, nicht wegen Gesetzen, sondern aus innerer Liebe, die mir Gott schenkt.
Ich suche die Wurzel meines Seins in Gottes Liebe.
Ich konzentriere mich auf das Atmen.
Beim Ausatmen sage ich innerlich: *Gott*
Beim Einatmen sage ich innerlich: *danke für deine Liebe*
Ich bleibe im Sitzen, so lange ich möchte. Dann verabschiede ich mich von der Meditation und kehre in meinen Alltag zurück.
M.P.