Dramatisch ist das Bild, das in einer Ausstellung in München im Jahr 2019 zu sehen war. Erzählt wird eine Geschichte aus den Evangelien. Jesus vertreibt die Händler aus dem Tempel in Jerusalem (Matthäus 21,12-13). Dort heißt es: „Jesus ging in den Tempel hinein und trieb heraus alle Verkäufer und Käufer im Tempel und stieß die Tische der Geldwechsler um und die Stände der Taubenhändler und sprach zu ihnen: Es steht geschrieben: »Mein Haus soll ein Bethaus heißen«; ihr aber macht eine Räuberhöhle daraus.“ Der Tempel ist der Ort, an dem die Juden Gott, den Vater von Jesus anbeteten. Dort hatten wie auch in den mittelalterlichen Kathedralen Händler ihre Plätze, im Tempel vor allem für den Verkauf der Opfertiere.
In dem Bild des Caravaggio Nachfolger kommt der Zorn von Jesus wie ein Sturm über die Händler. Einer ist schon zu Boden gestürzt, die anderen fallen in wilder Panik übereinander. Ihre Münder und Augen sind voller Schrecken, Entsetzen und Verwunderung aufgerissen. Der antike Sarkophag links unten unterstreicht die Dramatik mit seiner Szene. Nur einer (der Maler?) schaut uns Betrachter direkt an. Diese Maler wollten die Betrachter der Gemälde direkt herausfordern, Stellung zu beziehen. Deshalb haben bis auf Jesus alle Personen auf dem Bild zeitgenössische Kleidung an (des 17. Jahrhunderts) und mit ihren Gesichtern und Gesten haben sie einen individuellen Charakter. Du bist gemeint, ruft mir das Bild zu. Mit wem identifiziere ich mich in dem Bild? Wie reagiere ich, wenn solch ein göttlicher Sturmwind auf mich herniedergeht? Bestimmt erschrecke ich auch. Eine Art Schocktherapie, die das Wort Austreibung auch beschreibt.
Die Entfremdung der Kirche durch Geschäfte hat es immer gegeben. Doch die Austreibung hat noch eine andere Dimension, die uns Meister Eckart nahelegt: „Warum warf Jesus hinaus, die da kauften und verkauften? Er meinte damit nichts anderes, als dass er den Tempel leer haben wollte, als ob er hätte sagen wollen: Ich habe das Recht auf diesen Tempel und will darin allein sein. Was will das besagen: Dieser Tempel … das ist des Menschen Seele. Deshalb will Gott diesen Tempel leer haben, auf dass auch nichts weiter darin sei als er allein. … Will jemand anders in dem Tempel, das ist in der Seele, reden als Jesus allein, so schweigt Jesus, als sei er nicht da, er ist auch nicht daheim in der Seele, denn sie hat fremde Gäste, mit denen sie redet. Soll aber Jesus in der Seele reden, so muss sie allein sein und muss selbst schweigen, wenn sie Jesus reden hören soll.“
In der Meditation wollen wir Schritt für Schritt lernen, die Seele frei zu machen von den fremden Gästen, damit Jesus hineinkommen und mit uns reden kann. Manchmal braucht es dazu auch etwas härtere Maßnahmen, wenn es zu viele Ablenkungen und zu viele „Gäste“ im Kopf oder in der Seele gibt.

Ich finde einen ruhigen Sitz. Ich schließe für eine Zeit die Augen. Ich lasse meine Gedanken und Bilder vorbeiziehen. Ich halte mich an keinem Bild fest, denn ich möchte über die Bilder hinaus. Ich halte keine Gedanken fest, ich lasse sie vorbei. Ich bin nicht meine Gedanken. Ich bin nicht die Bilder in meinem Kopf.
Ich lade die Gäste in dem Tempel meiner Seele ein, nach Hause zu gehen, damit Jesus kommen kann. Ich will frei werden, damit Jesus reden kann.
Dazu hilft mir der Atem. Immer wieder lenke ich meine Aufmerksamkeit auf meinen Atem. Beim Ausatmen werde ich leer und empfangsbereit. Beim Einatmen nehme ich das Leben in mich auf.
Wenn ich möchte, kann ich wieder meinen Atem mit diesem Wort verbinden.
Beim Ausatmen sage ich innerlich: *Jesus Christus*
Beim Einatmen sage ich innerlich: *komm*
Das probieren wir so lange wir wollen.
Wir können schließen mit einem Gebet: