Die Eucharistie oder das Abendmahl zu Corona Zeiten ist merkwürdig. In katholischen Kirchen haben sich die Plastikschirme verbreitet, durch die wie beim Tresen des Bäckers das Brot durch eine Art Luke gereicht wird. Die Gemeinde kommt mit Masken nach vorne, nimmt diese kurz ab, empfängt das Brot aus desinfizierten Händen oder Handschuhen, tut es in den Mund und geht zurück auf den Platz. Evangelisch ist es ähnlich, es gibt nur das Brot oder die Hostie, keinen Wein. Nur die Plastikschirme sind selten. In Singapur habe ich noch andere Formen kennengelernt. Da bekam man die Hostie, die wie ein Keks aussah, in Plastik eingeschweißt zum Aufmachen.
Doch dies sind Äußerlichkeiten, die den Blick auf den Sinn des Abendmahls verstellen. Beim Abendmahl geht es ja nicht zuerst um die Gemeinschaft, dann wäre es zu Corona Zeiten nur Ausdruck der Isolierung, die wir alle erlebt haben. Es geht um die Verwandlung in Christus, das Zentrum des Christentums. Wenn Jesus sagt, dieses Brot und dieser Kelch vergibt eure Sünden, dieses Brot und dieses Blut bin ich, dann werden wir durch seinen Empfang verwandelt. Natürlich nicht magisch, sondern im Glauben durch den Hl. Geist, aber doch so, dass Christus ganz in, mit und unter Brot und Wein zu mir kommt und das geht nicht ohne meine Verwandlung.
Meister Eckart sagt: „Gestärkt durch seinen Leib wird dein Leib erneuert. Denn wir sollen in ihn verwandelt werden (2 Korinther 3,18), so dass das Seine unser wird und alles Unsere sein (Martin Luther nennt das den „fröhlichen Tausch“). … Nie ward so nahe Einung. Denn die Seele ist viel näher mit Gott vereint als Leib und Seele, die einen Menschen ausmachen. … Dieses Empfangen und Genießen des Leibes unseres Herrn hängt nicht nur am äußeren Genuß, sondern liegt auch am geistigen Genuß mit begehrendem Gemüt und andachtsvoller Einung. Dies kann der Mensch vertrauensvoll empfangen, dass er reicher an Gnaden wird als irgendein Mensch auf Erden.“

Ich finde wieder einen Platz, wo ich ungestört und ohne Ablenkungen sitzen kann. Vielleicht möchte ich ein Vaterunser sprechen.
Ich schließe für eine Zeit die Augen.
Ich denke an das letzte Abendmahl, das ich empfangen habe. Ich mache mir bewusst, was da mit mir geschehen ist. Ich möchte von Christus verwandelt werden.
Dann lenke ich meine Aufmerksamkeit auf meinen Atem. Beim Ausatmen werde ich leer und empfangsbereit. Beim Einatmen nehme ich das Leben in mich auf.
Wenn ich möchte, kann ich wieder meinen Atem mit diesem Wort verbinden.
Beim Ausatmen sage ich innerlich: (*Herr) Jesus Christus*
Beim Einatmen sage ich innerlich: *verwandle mich.*
Das probieren wir so lange wir wollen.