Gestern war ich bei wunderbarem Sommerwetter mit Studenten wandern auf dem Münchner Jakobsweg von Wessobrunn nach Dießen am Ammersee. Dort gab es nicht nur zwei herrliche barocke Kirchen zu sehen, sondern auch eine herrliche Kulturlandschaft mit Hügeln, Weiden, Kühen, Apfelbäumen und blühenden Wiesen.
Wo finden wir Gott? Darauf gibt es viele Antworten. Die einen sagen: „in der Kirche“, die anderen: „in der Natur“, andere: „in den Armen“, wieder andere: „in der Bibel“. Da sind wohl keine Gegensätze, sondern Gott kann überall zu finden sein.
Immer wieder müssen wir unsere Bilder von Gott hinter uns lassen. Gott kann überall sein, doch können wir ihn nicht mit etwas gleichsetzen, weder mit der Natur, noch mit der Kirche, der Bibel oder mit den Armen.
Meister Eckart sagt: „Die Vernunft nimmt Gott so, wie er in ihr erkannt wird; sie kann ihn aber niemals erfassen im Meer seiner Unergründlichkeit. …Hätte ich einen Gott, den ich erkennen könnte, ich würde ihn nimmer für Gott ansehen. … Die Unzulänglichkeit liegt in der Sprache. … Das worin die Seele Gott ausspricht, birgt doch in sich nichts von der eigentlichen Wahrheit seines Seins; es kann von Gott niemand das im eigentlichen Sinne aussagen, was er ist.“
Ich finde wieder einen Platz, wo ich ungestört und ohne Ablenkungen sitzen kann. Vielleicht möchte ich ein kurzes Gebet sprechen: „Gott, ich kann dich nie mit meinem verstand erfassen, doch ich bitte dich, segne mich und alle Menschen.“
Ich setze mich hin und schließe die Augen ganz oder halb. Ich lasse meine Gedanken und Bilder kommen und gehen und konzentriere mich auf meinen Atem, Ein und Aus.
Ich versuche, die Gedanken und Bilder einfach vorbeiziehen und gehen zu lassen. Ich weiß, diese Gedanken und Bilder bin ich nicht.
Wenn ich möchte, kann ich auch meinen Atem mit einem Wort verbinden.
Beim Ausatmen sage ich innerlich: *Großer Gott*
Beim Einatmen sage ich innerlich: *Segne mich*
Am Ende kann ich mich verbeugen, dann aufstehen und mit neuem Mut in den Tag gehen.
MP