In einer anderen bewegenden Ostergeschichte aus dem Johannesevangelium wird erzählt, wie der Auferstandene mit dem Jünger Petrus am See Genezareth zusammentrifft. Petrus war der Jünger, der Jesus besonders nahe stand, ihn dann aber verraten hat, als Jesus verhaftet wurde. Dreimal wurde Petrus gefragt, ob er diesen Jesus nicht kenne, und dreimal verleugnete ihn Petrus, er kenne ihn nicht. Nun trifft er den Auferstandenen wieder und nun fragt ihn dieser einmal: „Liebst du mich, Petrus?“ Petrus antwortet: „Ja, das weißt du doch.“ Ein zweites Mal fragt Jesus: „Liebst du mich?“ Petrus gibt dieselbe Antwort. Und Jesus fragt ein drittes Mal: „Hast du mich lieb?“ Petrus ist nun ganz traurig, dass er das dreimal gefragt wird und dreimal beteuern muss.
Was will uns der Auferstandene damit sagen, dass er Petrus dreimal fragt: „Liebst Du mich?“ Natürlich hat das mit der dreimaligen Verleugnung zu tun. Aber es geht noch weiter, denn die drei ist eine Symbolzahl für das Ganze und mit Petrus sind auch alle Glaubenden angesprochen. Warum müssen wir also dreimal gefragt werden? Ist das Skepsis über die Ernsthaftigkeit unserer Liebe? Das wäre es vielleicht in einer menschlichen Beziehung, aber hier ist es Gott im Auferstandenen, der uns fragt: Liebst Du mich?
Vielleicht gibt Meister Eckart hier eine Erklärung, wenn er sagt: „Die Weise, mit der man Gott liebhaben soll, muss weiselos sein, das heißt. Über alles hinaus, was man zu sagen vermag. Die Weise der Liebe ist ohne Weise. Denn Gott ist weiselos. Wenn wir weiselos lieben, da wird die Seele auf wunderbare Weise bezaubert und verliert sich selbst – wie wenn man einen Tropfen Wasser in ein Meer gösse – so dass sie von sich selbst nichts mehr weiß und wähnt, sie sei Gott.“
Wie alles bei Meister Eckart ist das leicht rational misszuverstehen. Gott ist ja nach der Bibel keineswegs weiselos, sondern zeigt sich in deutlichen Offenbarungen in der Geschichte. Was Eckart wohl meint und was vielleicht auch Jesus meint mit der dreifachen Frage: Liebst du mich? ist, dass wir den Auferstandenen oder Gott nicht wegen etwas lieben sollen oder können. Also etwa wegen seiner Macht oder wegen seiner Güte, oder wegen irgendwelcher Belohnungen, oder damit wir ewiges Leben bekommen, oder damit er uns beschützt. All das bleibt noch an der Oberfläche, weil es Liebe um etwas anderen willen ist, also nicht Liebe „weiselos“ um ihrer selbst willen. Auch in der Liebe zwischen Menschen geht es fast immer um Ergänzungen, Interessen, Verschmelzungen, also verschiedene „Weisen.“ Das würde aber Gott nicht gerecht. Denn genauso wie Gott uns ohne Bedingungen und Voraussetzungen liebt und damit erst liebenswert macht (ein Gedanke für eine andere Meditation), so sollte auch unsere Liebe zu ihm ohne Interesse und deshalb ohne Weise sein. Dann lieben wir ihn letztlich nicht als ein Gegenüber, als ein Du, sondern er wird mir unserer Seele eins.

Von den hohen Gedanken finden wir wieder einen Platz, wo ich ungestört und ohne Ablenkungen sitzen kann. Wenn du willst, kannst du ein Vaterunser sprechen.
Ich schließe für eine Zeit die Augen. Ich lasse meine Gedanken und Bilder vorbeiziehen. Ich halte mich an keinem Bild fest, denn ich möchte über die Bilder hinaus. Dazu hilft mir der Atem.
Immer wieder lenke ich meine Aufmerksamkeit auf meinen Atem. Beim Ausatmen werde ich leer und empfangsbereit. Beim Einatmen nehme ich das Leben in mich auf.
Wenn ich möchte, kann ich wieder meinen Atem mit diesem Wort verbinden.
Beim Ausatmen sage ich innerlich: *Weiselos*
Beim Einatmen sage ich innerlich: *Lieben*
Das probieren wir so lange wir wollen.
Wir können schließen mit einem Gebet: Jesus Christus, schenke mir und allen Menschen die Kraft deiner Auferstehung. Amen.