Gestern haben wir versucht, uns leer zu machen für den Reichtum von Gottes Liebe. Die Meditationsart dafür war die Verbindung des Atmens mit einem Bibelwort aus den Seligpreisungen.
Heute wollen wir die gleiche Meditationsart verwenden mit einem etwas anderen Inhalt oder Schwerpunkt. Gott findet mich *hier und jetzt*, deshalb will ich im Hier und Jetzt sein, damit Gott mich antrifft. Meister Eckart sagt dazu: Gott ist ein Gott der Gegenwart. Wie Gott dich findet, so nimmt und empfängt er dich, nicht als das, was du gewesen bist, sondern als das, was du jetzt bist. Der Mensch soll sein Gemüt daran gewöhnen, Gott allzeit gegenwärtig zu haben im Gemüt, im Streben und in der Liebe.
Und der Apostel Paulus schreibt im 2. Korintherbrief (6,2): Siehe, jetzt ist die Zeit der Gnade. Siehe, jetzt ist der Tag des Heils.
Was bringt uns am besten in das Hier und Jetzt, und was zeigt uns unsere Gegenwart an? Unser Atem. Denn ich kann nicht auf Vorrat atmen oder nur in der Vergangenheit, ich atme jetzt. Atem ist Leben und ich atme jetzt.
Sucht euch wieder einen Ort, wo ihr 30 Minuten ungestört sein könnt. Legt alle Ablenkungen weg. Wer seinen Sitz gefunden hat, schließe für eine Zeit die Augen (Du kannst sie auch halb schließen). Lenke Deine Aufmerksamkeit auf Deinen Atem. Ein-aus. Versuche nicht, die Atmung zu lenken, nimm sie nur wahr. Beim Ausatmen wird meine Lunge leer. Ich werde in meiner Mitte zentriert. Beim einatmen nehme ich das Leben in mich auf.
Wer möchte, kann ein Gebet wiederholt sprechen: Vater, nimm mich so, wie ich jetzt bin.
Nun wollen wir wieder die Verbindung von einem Wort mit dem Atem üben.
Beim Ausatmen sagen wir innerlich: *hier und jetzt, *oder nur* jetzt*
Pause
Beim Einatmen sagen wir innerlich: *Du.*
Probiert es einmal aus.
Das probieren wir so lange wir wollen.
Vielleicht werden wir merken, dass die anderen Gedanken mit dem Ausatmen auch ausströmen und wir etwas gegenwärtiger und achtsamer werden für den Reichtum der Begegnung mit dem *Du*, das Gott ist.
Michael Press