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Artensterben – was kann jeder tun?

Wir leben mitten im 6. Artensterben: 39% der Landtiere, 76% der Amphibien, 40% der Meerestiere und eine noch unbekannte Anzahl der Insektenarten sind vom Aussterben bedroht. Während die früheren Artensterben durch ungeheure Vulkanausbrüche und Meteoriten-Einschläge verursacht wurden, ist jetzt die alleinige Ursache der Mensch. Darüber sind sich die Wissenschaftler einig. Die Ursachen liegen vor allem in der intensiven Landwirtschaft, der chemischen Düngung und dem Einsatz von Pestiziden (+500% in 20 Jahren), der Beseitigung von natürlichen Lebensräumen wie Wäldern und Flächenversiegelungen, der Überfischung, dem Nahrungsbedarf einer riesigen Weltbevölkerung und dem menschengemachten Klimawandel. Was Gott an Lebewesen geschaffen hat und was über Jahrmillionen sich an Leben entwickelt hat, wird innerhalb von 150 – 200 Jahren vom Menschen weitgehend vernichtet.

Professor G. Haszprunar, Direktor der Zoologischen Staatssammlungen, wies in seinem Vortrag bei den ökosozialen Hochschultagen der LMU darauf hin, dass zwar über viele Insekten noch genaue Messungen fehlen, doch jedes Kind kann einen Eimer Erde aus einem Wald, einer grünen Wiese und einem Maisfeld vergleichen, um festzustellen, dass die Erde im Maisfeld fast Insekten- oder Arten frei ist. Nur die älteren Autofahrer werden sich noch erinnern, wie von Insekten gespickt die Windschutzscheiben vor 20 Jahren waren.

Warum sollte uns das Artensterben und das Insektensterben beunruhigen? Weil jede Art eine Funktion in ihrem Ökosystem hat. Die Erde ist ein lebendiger Organismus, der im Laufe der Zeit viele aneinander angepasste Arten entwickelt hat. Wenn die Wildbienen sterben, werden viele nur von diesen Insekten bestäubte Pflanzen und Fruchtbäume sterben. Wenn die Spechte aussterben, vermehren sich die Borkenkäfer, um nur zwei Beispiele zu nennen. Laut Professor Haszprunar müssen wir wegkommen vom Schutz einzelner Arten und uns mehr um den Erhalt von Ökosystemen und Lebensräumen kümmern. Damit geht es um die Nutzung von Flächen. Unser eigenes Verhalten ist gefragt, denn durch unsere Einkaufs-, Essens-, und Freizeitgewohnheiten bestimmen wir mit, wie unsere Landwirtschaft arbeitet und wie Ökosysteme erhalten oder zerstört werden. 

Was können wir also tun? Laut Professor Haszprunar:

1. Die effektivste Maßnahme des Artenschutzes ist es, weniger Fleisch zu konsumieren. Ein Drittel der intensiv genutzten Landwirtschaftsfläche wird zur Futtermittelherstellung verwendet, fast ein weiteres Drittel zur Herstellung von Energie wie Biogas.

2. Erzeugnisse aus ökologischem Anbau kaufen und essen. Bei ökologisch bewirtschafteten Flächen ist die Zahl der Insektenarten erheblich größer als in der intensiven Landwirtschaft.

3. Kindern in der Grundschule und in weiterführenden Schulen mit Liebe zur Natur an die Vielfalt der Lebewesen, ihre Schönheit und ihren Nutzen heranführen.

4. Statt grünen artenarmen Rasen, Wildblumenwiesen anlegen. Das geht sowohl auf öffentlichen Flächen wie in privaten Gärten. Solche Wiesen werden nur zweimal im Jahr gemäht. Dabei sollen möglichst viele verschiedene Pflanzen gepflanzt werden.

(Fotos: Naturschutzgebiet Allacher Heide im Mai 2018 – solche Wiesen mit viel Nahrung für Insekten und Vögel gibt es auch noch in München, Foto: M. Press)