Im Jahr 1530 fand der Reichstag in Augsburg statt, zu dem die evangelischen Fürsten und Stände ihr berühmtes Bekenntnis vorlegten. Da Luther unter Reichsacht stand, konnte der den Reichstag nicht besuchen. Er hielt sich in der Veste Coburg auf, dem südlichsten Punkt des sächsischen Kurfürstentums. Dort schrieb er eine Auslegung des 118. Psalms. Er habe diesen Psalm sehr liebe, weil er mir aus manchen großen Nöten geholfen hat, schrieb er in der Vorrede. Diese Auslegung ist ein klassisches Beispiel von Luthers Bibelauslegung und seinem Glauben an die Rechtfertigung Gottes (WA 31,1, Luther deutsch 7, 308-361).
Der Psalm beginnt mit einem Dank: Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich. In diesem Dank ist nach alles enthalten, was wir täglich an Wohltaten und Wundern von Gott bekommen. Deshalb dürfe man keinesfalls kalt und roh darüber hinweggehen. Danken müsse man üben. Wofür: Gott hat uns geschaffen mit Leib und Seele, behütet uns Tag und Nacht, erhält uns am Leben, läßt Sonne und Mond aufgehen und bewahrt das Universum, gibt uns aus der Natur, was wir brauchen zum Leben. Niemand kann alles aufzählen, was er gibt und erhält als der Schöpfer des Lebens. Meist merken wir das aber erst, wenn uns etwas fehlt, Gesundheit, Essen ein Haus etc. Stattdessen jagen sie Geld und Besitz nach, doch was ist alles Geld gegen einen lieben Sonnentag? Was wäre alles Bier und Wein, wenn ihr kein Wasser hätten zum Trinken? Weil wir das alles genug haben und einfach als gegeben hinnehmen, dankt niemand Gott dafür. Welches Kind dankt für all das, was seine Eltern getan haben, um ihn großzuziehen, für sein Leben, das Gott jeden Tag erhält und mit so reichen Gütern beschenkt. So soll dieser Dank jeden Augenblick und jeden Tag beim Essen, Trinken, Sehen, Hören, Gehen oder der Begegnung mit anderen vor ihm stehen.
Es ist ja auch keineswegs selbstverständlich, dass Gott freundlich ist und uns so große Güter des Lebens täglich gibt. Wenn uns ein Unglück widerfährt und wir eines dieser Güter mangeln, so klagen wir, als wenn wir ein Recht darauf hätten. Dabei hat uns Gott durch das kleine Übel doch nur aufwecken wollen aus dem Tiefschlaf unserer Undankbarkeit. Es ist, als zünde uns Gott ein Licht an, damit wir endlich seine Güte und Wohltaten sehen. Also ist das erste und größte Werk in der Beziehung zu Gott das Danken und die Undankbarkeit oder das Vergessen zu danken ist die größte Unehre Gottes, von der die Welt voll sei. Seine Güte aber währet ewiglich, vom Anfang bis zum Ende des Universums und darüber hinaus.
Meditation: Meditiere, was dir Gott heute Gutes getan hat. Was hast du alles bekommen, ohne etwas dafür zu tun?
Sprich langsam mehrmals den Satz: Danket dem Herrn, denn er ist freundlich und seine Güte währet ewiglich.
Danke jemandem in deinem Umkreis für irgendetwas, das sonst unbedankt geblieben wäre.