Heute soll es ganz einfach losgehen mit der Struktur der Meditation, die
denjenigen, welche Meditation kennen, gut vertraut ist, anderen aber neu.
Du solltest solche Übungen allerding nur bei stabiler physischer und
psychischer Verfassung machen.

Sucht euch einen Ort, wo ihr 30 Minuten ungestört sein könnt. Legt alle
Ablenkungen wie Smartphones, Uhren etc. weg und sucht euch einen guten
Platz, wo ihr 30 Minuten sitzen könnt. Nichts sollte im direkten Blickfeld
sein, was mich ablenkt oder an zu erledigende Arbeit erinnert. Wer es nicht
geübt hat, sollte nicht schwierige Positionen wie den Lotussitz oder
Schneidersitz probieren. Auch liegen oder stehen ist nicht so gut. Uhren
brauchen wir auch nicht, denn unser inneres Gefühl sagt uns schon, wenn es
genug ist.

Wer seinen Sitz gefunden hat, schließe einfach für eine Zeit die Augen (Du
kannst sie auch halb schließen). Nimm wahr, was dann passiert. Wie sitzt
Du? Sicher und fest oder wacklig? Jetzt kannst Du deinen Sitz verändern.
Wie atmest Du? Lenke Deine Aufmerksamkeit auf Deinen Atem. Ein-aus. Ganz
natürlich und von selber geht es. Versuche nicht, die Atmung zu lenken,
nimm sie nur wahr. Nach einer Weile wird sie wahrscheinlich langsamer und
tiefer werden, wenn Du zur Ruhe kommst.

Lade die Ruhe und Stille ein, denn sie hilft Dir, zu Dir selber zu kommen.
Auch das geschieht ganz natürlich, wie der Schlaf über einen müden Menschen
kommt. Lass die Stille wachsen und wehre sie nicht ab.

Wahrscheinlich werden viele Gedanken Dir durch den Kopf gehen. Lass sie
einfach kommen und gehen, schaue sie an, ohne sie zu bewerten, ohne sie
festzuhalten. Wenn sie wichtig sind, wirst Du Dich auch später daran
erinnern.

Nach einer Weile, wenn es Dir genug erscheint, kannst Du die Augen wieder
öffnen und Dich etwas zurecht setzen, wenn Du irgendwo Verspannungen
merkst.

Hast Du noch Lust auf eine zweite Runde?

Dann kannst Du Dir jetzt einen Dir lieben (lebenden) Menschen vorstellen.
Vielleicht von den Eltern, Großeltern oder jemanden, mit dem Du keine
intime Beziehung hast, denn das erregt andere Gefühle, die hier nicht
hilfreich sind. Hast Du einen lieben Menschen? Was erinnert Dich an ihn?
Ist es sein Gesicht, vielleicht seine Augen? Eine Eigenart? Ein bestimmtes
Wort von ihm, an das Du dich erinnerst? Oder einfach seine Güte, sein
Dasein? Schließe wieder die Augen und lade diesen lieben Menschen ein, bei
Dir zu sein. In der Erinnerung, in dem inneren Schauen und Wahrnehmen. Wenn
andere Gedanken, Erinnerungen, Träumereien kommen, halte sie nicht fest,
folge ihnen möglichst nicht, sondern lass sie vorbeigehen. Kehre immer
wieder zu dem Gesicht oder Wort dieses lieben Menschen zurück.

Nach einer Weile, kannst du diesen lieben Menschen ansprechen. Sage
innerlich „Du“ zu ihm. Wiederhole diese vertraute und liebe Du immer
wieder.

Wenn es Dir genug ist, beende die Meditation. Verabschiede Dich von dem
lieben Menschen. Verabschiede dich von der Meditation. Bewege Dich
vorsichtig, strecke Dich etwas wie eine Katze. Jetztkannst Du aufstehen
oder dich hinlegen oder an den Schreibtisch setzen und noch etwas
nachdenken. Wie ging es mir in dieser Zeit? Wie ging es mit dem Sitzen? Wie
ging es mit den Gedanken? Wie ging es mit der Stille? Konnte ich einen
lieben Menschen einladen?

Es gibt hier keinen Leistungsdruck. Manchmal klappt es super, manchmal bin
ich viel zu abgelenkt und unruhig. Lass einfach geschehen, was kommt.
Meditation lebt von Weiderholung und Übung. Wenn ich sie regelmäßig mache,
wird es immer besser gehen.

Michael Press