Fünfte Meditation
In der gestrigen Meditationsaufgabe ging es darum, nichts zwischen die Begegnung Gottes mit mir zu stellen. Heute soll es darum gehen, anzunehmen, was von Gott kommt.
Es ist sehr schwer, sich von falschen Bindungen und Prioritäten zu lösen, denn sie haben sich über Jahrzehnte in mir festgesetzt und wurden immer wieder von mir eingeübt. Davon zu lassen, Meister Eckart spricht von Gelassenheit als Voraussetzung der Gottesbegegnung, ist nicht einfach. Aber Gott wartet auf uns, oft jahrelang, und spricht uns immer wieder an und ermutigt uns, den Weg weiter zu gehen. Wir könnten uns vornehmen: Wollen wir nicht Gott die Führung überlassen auf diesem Weg? Wenn wir doch glauben, dass er die Liebe ist, wie die Bibel sagt und dass er uns in diese Liebe einlädt, lassen wir uns doch dorthin von ihm führen.
Das ist wie bei einer Bergwanderung, wo ich das Terrain nicht kenne und es auf dem Weg schwierig werden könnte. Am besten ist es dann, einen Führer zu nehmen, dem ich vertrauen kann und der sich auskennt. Ich vertraue ihm mein Leben an, wenn ich auf den Berg mit ihm gehe. So möchte ich mich auch Gott anvertrauen. Das bedeutet auch, anzunehmen, was von ihm kommt. Nicht nur die guten Erfahrungen, sondern auch die schwierigen.
Wir sind in der Karwoche. Sie erinnert uns an das Leiden von Jesus Christus. Er hat im Garten Gethsemane gerungen, ob er nicht doch ausweichen und vor dem Leiden und Sterben fliehen sollte, das ihm bevorstand. Sein Gebet dort war: „Vater, willst du, so nimm diesen Kelch (des Leidens) von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe!“
Meister Eckart sagt: „Und so erachte ich es als besser denn alles: dass sich der Mensch gänzlich Gott überlasse, so dass, wenn immer Gott irgendetwas ihm aufbürden wolle, sei’s Schmach, Mühsal oder was es sonst für ein Leiden sei, er es mit Freuden und Dankbarkeit hinnehme und sich von Gott führen lasse, als dass sich der Mensch selbst darein versetze.“
Wie gestern ist das ein Lebensthema, sich der Führung Gottes auch in schweren Zeiten anzuvertrauen, aber jede kleine Übung der Meditation und des Gebetes, kann ein Schritt auf diesem Weg des Vertrauens sein. Denn wohin Gott uns auch führen wird, er ist bei uns. Darauf können wir uns verlassen.

Sucht euch wieder einen Ort, wo ihr 30 Minuten ungestört sein könnt. Legt alle Ablenkungen weg. Wenn du deinen Sitz gefunden hast, schließe für eine Zeit die Augen.
Wenn du willst, kannst du ein Vaterunser oder ein anderes Gebet sprechen, das du auswendig kannst. Ein für heute passendes Gebet wäre zum Beispiel: „Gott, führe mich, wohin Du mich willst.“
Ich lasse meine Gedanken, Bilder, Vorstellungen im Kopf ziehen, ohne sie festzuhalten oder mich an ihnen festzuhalten. Immer wieder lenke ich meine Aufmerksamkeit auf meinen Atem. Ein-aus. Ich versuche nicht, die Atmung zu lenken, nehme sie nur wahr. Beim Ausatmen werde ich leer und empfangsbereit. Beim Einatmen nehme ich das Leben in mich auf.
Nun wollen wir wieder die Verbindung von einem Wort mit dem Atem üben.
Beim Ausatmen sagen wir innerlich: *Nicht mein Wille, *
Beim Einatmen sagen wir innerlich: *Dein Wille geschehe*, oder kurz: Dein Wille
Das probieren wir so lange wir wollen.
Vielleicht möchte ich nach der Meditation einige Gedanken festhalten. Wie war es? Was war schwer, was leicht? Was sind Hindernisse, was mag ich daran? Möchte ich mich Gottes Führung anvertrauen und annehmen, was von ihm kommt?
Michael Press