Dienstag, 30. Juni – Gott, Vater und Freund – das Jahr ist auf seiner Höhe. Jetzt, in der Mitte des Jahres, halten wir dir die komplizierten letzten Monate im Gebet hin. All die Last dieser Wochen. Wir beklagen vor dir das verlorene Leben, das ungelebte Leben. Wir beklagen Lockdown und Eingeschlossen sein, geschlossenen Grenzen und Unis und all die Freude und Anregung, die uns verloren ging.
Gott, Freund und Vater, die Hälfte dieses Kalenderjahres ist vorbeigegangen. Wir halten dir im Gebet hin, was auf unseren Seelen liegt: Abstand halten und Angst vor dem bösen Covid 19. Wir beklagen vor dir all die zerbrochenen Pläne, die Festivals und Auslandsaufenthalte, die ausfallenden Examensfeiern, Klassentreffen, Hochzeiten, auf die wir uns lange gefreut hatten.
Gott, väterlicher Freund, in der Mitte des Jahrs halten wir dir hin: Unsere Orientierungslosigkeit. Nicht wissen, welche Pläne man machen kann, all die Unsicherheit. Wir beklagen verlorene Jobs und Existenzangst.
Gott, freundlicher Vater, es ist alles so schwierig und anstrengend geworden, wir müssen vieles neu erfinden. Wir beklagen unsere Müdigkeit. Die Einsamkeit eines virtuellen Semesters, allein vor dem Bildschirm, jeden Tag.
Lächelnd nennen wir dir auch die Entspannung und Entschleunigung, die wir erlebt haben, danken dir für den klaren Himmel und die saubere Luft und klagen, dass das schon wieder Vergangenheit ist. Wir danken für geschenkte Zeit, mit der wir nicht gerechnet hatten. Wir danken für konspirative Treffen an der Isar, für neu erfundene Gemeinschaft.
Ein halbes Jahr von diesem 2020 ist schon vorbei. Wir klagen dir, dass wir zu wenig auf dem Lebenskonto haben. All das halten wir dir hin. Wandle du es in Segen. Fülle unser Lebenskonto mit Erlebnis und Freude.
Gott, Freund und Vater, dir vertrauen wir die noch kommende Hälfte des Jahres an. Amen.                                 (Hochschulpfarrerin Martina Rogler)