Ich habe Luthers Glaube an die Kraft des Gebetes erwähnt. Dies gilt auch, wenn die Gebete für Heilung nicht erhöht wurden. So berichtet er am 4.11.1527, dass die Frau von Georg Rörer in seinem Haus eine Fehlgeburt hatte und bald darauf ebenfalls starb (sie war schon vorher an Pest erkrankt). „Da hat Christus weder unsere Tränen noch unsere Bitten um ihre Rettung erhört. Einigermaßen tröstete es, dass sie in dem bestmöglichen Ende zu Christus abgeschieden ist, des Glaubens und des Geistes voll.“ Nicht alle Gebete um Heilung werden erhöht, doch es ist für die Angehörigen und Freunde ein Trost, „dass die Verstorbene im Glauben an die Verheißung des ewigen Lebens und die Gemeinschaft mit Christus gestorben ist.“
Für Luther war die Angst vor der Pest schlimmer noch schlimmer als die Pest selbst. Denn viel mehr Menschen verlieren ihren Lebensmut und ihren Glauben aus Angst vor der Krankheit, als überhaupt krank werden. So beklagt er, dass viele Studenten und Professoren aus Angst vor der Pest die Stadt verlassen haben. Wenn es keinen Unterricht mehr gäbe, oder noch schlimmer, keine Gottesdienste hätte der Widersacher Christi gewonnen. Der tut nämlich alles, um die freie Verkündigung des Wortes Gottes zu verhindern. Die aber ist das einzige Mittel zur Rettung. Der Krankheit kann man mit Medizin, Hygiene und Hilfe konkret begegnen, der eigenen Angst zu begegnen, sei viel schwerer. Luther spricht hier von existentieller Angst. Es war seine persönliche Erfahrung der Anfechtung, dass der Mensch immer von Angst vor dem Verderben, vor seinem eigenen Versagen und vor dem Tod bedroht wird und sich daraus immer zu Christus retten muss, der die Sünde vergibt und den Tod besiegt hat.
Da Luther den Menschen dualistisch zwischen Gott und Gottes Feind (Satan) sieht, die um ihn und sein Heil ringen, schreibt er die existentielle Angst dem Widersacher zu. Wenn er Angst verbreiten wolle, müsse man sich ihm mit Gottes Wort widersetzen. Die Angst sucht sich immer neue Wege, doch Gottes Verheißung und die Kraft der Auferstehung stehe dagegen: Das Wort Christi ist durch Tod erworben und hat so alle Angst vor dem Tod überwunden. Deshalb sei es auch Aufgabe aller Christen, besonders aber derer, die eine Verantwortung für andere haben wie Pfarrer, Lehrer, Amtsträger (Politiker), auch der Eltern gegenüber ihren Kindern, mit Gottes Wort gegen die Angst Mut und Vertrauen auf Gott zu festigen: „mit Gottes Wort und Sakrament die Gewissen zu stärken und zu trösten, um den Tod im Glauben zu überwinden.“
Zur Besinnung: Lasse ich mir Gottes Wort sagen gegen meine Angst? Ich will mich von Gottes Wort und Christi Verheißung gegen die Angst vor der Krankheit und dem Tod stärken lassen.
Brief des Paulus an die Römer: Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.
(Foto: Luther im Kreis seiner Familie, wie es das 19. Jahrhundert sah)