Heute ist Pfingsten, das Fest des Heiligen Geistes. Ohne den Heiligen Geist gäbe es überhaupt keine Religion, denn nur weil Gottes Geist in uns ist, haben wir eine Verbindung mit Gott. Der Geist ist das Medium der Verbindung mit Gott und mit anderen Menschen.
In einer Predigt über Sirach 24,27 (Mein Geist ist süßer als Honig) sagt Meister Eckart über den Geist: Es sind fünf Eigenschaften des Geistes. Erstens seine Reinheit. „Gott ist Geist“ (Johannes 4,24) weist auf die Reinheit und Einheit des Geistes. Zweitens ist der Geist Quelle alles Guten. Alles ist durch ihn geworden, das heißt, alles, was ist, ist gut und hat sein Sein durch den Geist Gottes. Drittens ist der Geist unvergleichlich erhaben, das heisst er ist Gott und nicht der menschliche Geist. Viertens nennt ihn Sirach „süß und lieblich“. Fünftens ist er das Licht, dass alles ins Licht bringt. Eckart setzt das platonisch mit der Idee als der Ursache aller Dinge gleich.
Näher bei dem Apostel Paulus (Römerbrief Kapitel 8) ist der Zisterzienser Wilhelm von Saint Thierry, wenn er die Rolle des Geistes beim Gebet hervorhebt (4. Meditation, hg. von Klaus Berger und C. Nord): Du, Gott, bist uns sehr nahe gekommen und nicht in der Ferne geblieben. … Dass dein Heiliger Geist uns schwachen Menschen hilft, öffnet unseren Tränen die Schleusen. Wenn du sie zärtlich mit deiner Hand abwischst, fließen sie noch reichlicher, aber so kräftigen und stärken sie uns wie das Brot, von dem wir tagaus, tagein leben. … Lehre mich also, Heiliger Geist, ununterbrochen zu beten, damit ich mich, verbunden mit dir, ununterbrochen freuen kann. Denn auch, wenn dein Beter beim Beten klagt, weil, er ganz wenig Heiligen Geist hat, dann wird seine Freude umso größer sein, je heftiger der Schmerz ist, den er verspürt. … Das bescheidene und reine Gebet bedeutet immer ganz viel Freude.“
Das sollte uns helfen bei der Meditation. Es kommt nicht auf unsere Anstrengung an, sondern auf den Heiligen Geist, auf den wir uns verlassen und einlassen können.
Es reicht, wenn wir darauf vertrauen, dass Gottes Geist unsere ungeordneten Gedanken, unsere Zweifel und Schwächen in Seine liebende Kraft verwandelt und uns mit Gott verbindet. In seinem Licht sehen wir das Licht.
M.P.