In einem zweistündigen Gespräch mit dem
langjährigen Vorsitzenden des Nationalen Kirchenrates in Malaysia, Dr. Hermen
Schastri, lernten wir viel über die Schwierigkeiten und Hoffnungen eines friedlichen Zusammenlebens der
verschiedenen Rassen und Religonen in Malaysia. Religion ist ein wichtiger Teil
der Kultur und des Lebens; sie gibt moralische Orientierung und Halt.

Das
Problem entsteht, wenn eine Mehrheit meint, ihre Religion sei anders und wahrer
als die anderen und besonders schützenswert und die Politik sich als
Schutzmacht einer Religion versteht. Hat nicht jede Religion und jeder Mensch
das gleiche Recht, nach seinem Glauben zu leben, ohne der anderen Religion
diese Rechte abzusprechen?

Das ist nicht nur in Malaysia so, sondern in vielen
Ländern der Welt, dass eine Mehrheitsgruppe versucht, die Minderheiten mit
ihrer eigenen Kultur und Religion zu dominieren. Eine Trennung von Staat
und Religion ist in den Ländern Asiens keine Vorstellung, die viele Anhänger findet,
ob es nun der Buddhismus in Myanmar, der Hinduismus in Indien oder der
Kommunismus in China ist.

Was nach der Vorstellung von Dr. Shastri wirklich
helfen würde, wäre die Vorstellung eines säkularen Staates, der in seiner
Regierung, Gesetzgebung und Rechtsprechung sich an der Verfassung orientiert,
ohne eine bestimmte Kultur, Ethnie oder Religion zu bevorzugen.  Einige Staaten sind in dieser
Entwicklung weiter als andere. Säkulare Gesellschaft heißt allerdings nicht wie
in Teilen Europas, die Religion aus dem öffentlichen Leben zu verdrängen, das
wird in Asien nie passieren.