Führe mich, Gott, und hilf mir, dass ich mich Deiner Führung anvertraue. Das erfuhr Jesus in den Tagen vor seinem Tod. Einem solchen tiefen Anvertrauen des eigenen Lebensweg steht immer wieder im Weg, dass wir „um uns selber kreisen“, wie es Martin Luther nannte. Wir sind so gestrickt und so erzogen, dass wir alles auf uns beziehen, uns ständig versichern: Wie geht es mir damit? Was habe ich davon? Was bringt oder was schadet es mir? etc. Das erfahre ich auch in jeder Meditation, wenn ich versuche, gelassen und still zu werden und die Gedanken und Sorgen mir durch den Kopf hüpfen, ein wichtiger Einfall hier, ein Plan da, eine Sorge dort.
„Woran du dein Herz hängst, das ist dein Gott,“ schreibt Martin Luther in der Auslegung des ersten Gebotes. Und wir hängen unser Herz an 1000 Dinge und Menschen. Durch das ganze Alte Testament zieht sich deshalb die Warnung vor dem, was sie „Götzendienst“ nennen, die Verwechslung des wahren Gottes mit selbstgemachten Göttern, das sind Personen oder Dinge, an die „mein Herz hängt“. So z.B. in Psalm 115: „Ihre Götzen aber sind Silber und Gold, von Menschenhänden gemacht. … sie haben Hände und greifen nicht, Füße haben sie und gehen nicht, und kein Laut kommt aus ihrer Kehle. Die solche Götzen machen, werden ihnen gleich, alle, die auf sie vertrauen. Aber Israel hoffe auf den HERRN!“ Das ist die Gefahr, dass wir den vielen „Götzen“ gleich werden und nicht mehr merken, dass wir sie selber gemacht haben, indem wir unser Herz daran gehängt haben.
Meister Eckart sagt: „Der ist viel glücklicher, der alle Dinge entbehren kann und ihrer nicht bedarf, als wer alle Dinge mit Bedürfnis nach ihnen im Besitz hält. Der Mensch ist der beste, der das entbehren kann, was ihm nicht not tut.“
Zu entbehren, was nicht unbedingt nötig ist und mich von falschen Bindungen zu lösen, lerne ich vielleicht am besten, indem ich mir klar mache, dass ich ja alles von Gott geschenkt bekomme und ich mich nur ihm anvertrauen brauche. Also nicht durch Bekämpfen der falschen Bindungen, sondern dadurch, dass ich mich Gott anvertraue.
Wie gesagt, es ist ein Lebensthema, sich der Führung Gottes anzuvertrauen, aber gerade in Zeiten einer Unsicherheit wie der Corona Krise, ist es eine gute Übung und ein Schritt auf dem Weg des Vertrauens auf Gottes Führung.

Suche dir wieder einen Ort, wo du eine Weile ungestört sein könnt. Lege alle Ablenkungen weg. Wenn du deinen Sitz gefunden hast, schließe für eine Zeit die Augen.
Wenn du willst, kannst du ein Vaterunser oder ein anderes Gebet sprechen. Ein für heute passendes Gebet wäre zum Beispiel: „Gott, zeige mir, was mich bindet und befreie mich davon.“
Ich lasse meine Gedanken, Bilder, Vorstellungen im Kopf ziehen, ohne sie festzuhalten oder mich an ihnen festzuhalten. Immer wieder lenke ich meine Aufmerksamkeit auf meinen Atem. Ein-aus. Ich versuche nicht, die Atmung zu lenken, nehme sie nur wahr. Beim Ausatmen werde ich leer und empfangsbereit. Beim Einatmen nehme ich das Leben in mich auf.
Nun wollen wir wieder die Verbindung von einem Wort mit dem Atem üben.
Beim Ausatmen sagen wir innerlich: *In Dir *
Beim Einatmen sagen wir innerlich: *Habe ich alles*
Das probieren wir so lange wir wollen.
Vielleicht möchte ich nach der Meditation einige Gedanken festhalten. Wie war es? Was war schwer, was leicht? Was sind Hindernisse, was mag ich daran?
Gerne könnt ihr eure Erfahrungen mit mir teilen.
Michael Press