Gestern haben wir versucht, im Hier und Jetzt zu sein und damit achtsam für denjenigen, der uns jetzt begegnen will. Heute geht es darum, möglichst die störenden Gedanken, Bilder, Vorstellungen abzulegen, die uns davon abhalten, uns selber und Gott zu finden. Das ist natürlich nicht in einer Meditation zu schaffen, sondern das ist jeden Tag neu zu erfahren und zu lernen. Mit anderen Worten, wir sind bei den Grundbedingungen des Betens: Sich empfänglich machen, sich öffnen, sich auf das Gegenüber Gottes einstellen, sich konzentrieren und da zu sein im hier und jetzt.
Das Problem dabei ist, dass wir von unserer Natur und Vorstellungsweise gar nicht anders können, als alles und jeden auf uns zu beziehen. Wir können allerdings üben, es ist möglich, von uns abzusehen, und uns auf das Gegenüber einzulassen. Das ist, wie wenn ich verliebt bin. Ich träume davon, wie großartig die Partnerin oder der Partner mich ergänzt, erhebt, in neue Sphären und Dimensionen bringt, die ich mit ihr oder ihm erleben werde. Ich träume von Verschmelzen und Abheben, und darin ist meist ein Durcheinander verborgen von: „was bekomme ich von ihr? Und: was kann ich ihr geben?“ Und irgendwann kommen wir auf den Boden zurück.
Genauso ist es in der Begegnung mit Gott. Auch wenn wir glauben, dafür bereit zu sein, dass Gott zu uns kommt, so sind wir es doch meistens nicht. Denn wir wollen normalerweise nicht Gott um seiner selbst willen lieben, wie es Jesus sagt, sondern unendlich viele Wünsche, Interessen, Vorstellungen und Träume stehen dazwischen, zwischen uns und Gott. Die Meditation kann nun ein kleiner Schritt auf dem langen Weg sein, diese dazwischen stehenden Bilder, Vorstellungen etc. zu überwinden, so wie in Platos Höhlengleichnis die Menschen lernen müssen, hinter den Schatten und Bildern die Quelle des Lichtes zu suchen.
Meister Eckart sagt: Wisse, wenn immer Du irgendwie das Deine suchst, so findest du Gott nimmer, weil du nicht Gott ausschließlich für sich suchst. Du suchst etwas mit Gott und tust so, wie wenn du aus Gott eine Kerze (Lampe) machst, auf dass du damit etwas suchst. Und wenn man die Dinge findet, die man damit sucht, dann wirft man die Kerze weg. Es ist aber so: Wenn du Gott hast, so hast du mit Gott alle Ding. Darum sagt das Buch der Weisheit (7,11): „Mit Gott, der ewigen Weisheit, sind mir miteins alle Güter zusammen zugekommen.“
Und im ersten der 10 Gebote heißt es: „Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir!“
Von diesem großen Gebot, das eine Lebensaufgabe ist, die nur wenige ganz geschafft haben, wollen wir zurück zu unserer kleinen heutigen Meditationsaufgabe.
Sucht euch wieder einen Ort, wo ihr 30 Minuten ungestört sein könnt. Legt alle Ablenkungen weg. Wer seinen Sitz gefunden hat, schließe für eine Zeit die Augen.
Ich lasse meine Gedanken, Bilder, Vorstellungen im Kopf ziehen, ohne sie festzuhalten oder mich an ihnen festzuhalten. Immer wieder lenke ich meine Aufmerksamkeit auf meinen Atem. Ein-aus. Ich versuche nicht, die Atmung zu lenken, nehme sie nur wahr. Beim Ausatmen werde ich leer und empfangsbereit. Beim Einatmen nehme ich das Leben in mich auf.
Wer möchte, kann ein Gebet wiederholen: Mein Vater im Himmel, komm zu mir, ich bin bereit.
Nun wollen wir wieder die Verbindung von einem Wort mit dem Atem üben.
Beim Ausatmen sagen wir innerlich: *Du allein, *
Pause
Beim Einatmen sagen wir innerlich: *Genügst.*
Das probieren wir so lange wir wollen.
Vielleicht möchte ich nach der Meditation einige Gedanken festhalten. Wie war es? Was war schwer, was leicht? Was hindert mich, offen zu sein für Gott? Will ich das übeerhaupt, oder gibt es für mich einen anderen Weg? Wenn ihr das besprechen wollt, könnt ihr mich auch gern anrufen: 089 74037845 oder mir schreiben: michael.press@esg.uni-muenchen.de.
Michael Press